Von Raketen und Robotern zu Regisseuren
Elon Musk hat wieder ein neues Spielfeld entdeckt: die Filmwelt. Nach Elektroautos, Raketen, Gehirnchips und humanoiden Robotern will der Unternehmer nun auch die kreative Industrie revolutionieren – mithilfe seiner KI-Firma xAI.
Wie die Times of India berichtet, plant Musk gleich zwei ambitionierte Projekte: ein vollständig KI-erzeugtes Videospiel und – noch spektakulärer – den ersten Kinofilm, der komplett von Künstlicher Intelligenz geschrieben, inszeniert und produziert wird. Beides soll bis Ende 2026 erscheinen.
„Wir wollen zeigen, dass KI nicht nur assistieren kann, sondern eigenständig erschaffen“, erklärte Musk auf der „Future of AI Entertainment“-Konferenz in Los Angeles. Seine Vision: eine neue Form des Entertainments, in der Kreativität und Code verschmelzen.
Grok Imagine: die KI hinter der Kamera
Herzstück des Projekts ist das System Grok Imagine, eine Weiterentwicklung von xAIs hauseigenem Sprachmodell Grok, das bereits über die Plattform X (ehemals Twitter) mit Millionen Menschen interagiert.
„Imagine“ soll Drehbücher schreiben, Szenen konzipieren, Charaktere entwickeln und sogar Kameraeinstellungen vorschlagen – in Echtzeit. Der Regisseur, so Musk, sei „ein neuronales Netz, das Geschichten versteht“.
Technisch kombiniert xAI dabei drei Schichten:
- Textgenerierung: Das Sprachmodell entwirft Drehbücher, Dialoge und Handlungsbögen.
- Visuelle Umsetzung: Ein Bild- und Animationssystem übersetzt Szenen in 3D-Renderings und Live-Simulationen.
- Schnitt & Musik: Ein auf Audiodaten trainiertes Modell komponiert Soundtracks und führt Regie beim finalen Schnitt.
Gedreht wird nicht mit echten Schauspieler*innen, sondern mit synthetischen Avataren, die vollständig am Computer entstehen. Musk betont, dass „kein einziger Frame von einem Menschen gefilmt“ werden soll.
Vom Film zum Spiel
Parallel dazu arbeitet xAI an einem KI-basierten Videospiel namens „Living World AI“, das dynamische Handlungen erzeugt.
Das Spiel soll je nach Entscheidungen der Spieler*innen seine Geschichte fortschreiben – also keine vorgefertigten Levels mehr, sondern eine Welt, die sich selbst weiterentwickelt.
Musk beschreibt das Prinzip so: „Stell dir ein Spiel vor, das dich kennt, deine Emotionen versteht und dir eine Geschichte erzählt, die nur du erlebst.“
Für die Gaming-Industrie wäre das ein Quantensprung. Statt starrer Storylines könnten Spielerinnen künftig persönliche Abenteuer erleben, die jedes Mal neu sind. xAI arbeitet dafür mit ehemaligen Entwicklerinnen von Epic Games und Bethesda Softworks zusammen.
Zwischen Vision und Verantwortung
So futuristisch Musks Plan klingt, so kontrovers ist er. Viele Kreative reagieren skeptisch auf die Idee eines vollständig KI-produzierten Films.
Regisseur Denis Villeneuve (Dune, Arrival) sagte in einem Interview mit Variety: „Kunst entsteht aus Erfahrung, Emotion, Schmerz. Eine Maschine kann Strukturen kopieren, aber sie kann nicht fühlen.“
Auch Gewerkschaften wie die Writers Guild of America beobachten die Entwicklung kritisch. Nach monatelangen Streiks um den Einsatz von KI beim Drehbuchschreiben sehen viele in Musks Projekt eine gefährliche Blaupause: Wenn Studios zeigen, dass Filme ohne menschliche Kreative funktionieren, könnten Jobs in Gefahr geraten.
Musk kontert mit dem Argument, dass KI Kreativität „demokratisieren“ werde. Jeder könne bald Filme erschaffen, auch ohne Millionenbudget oder Filmstudio. „Die Zukunft des Kinos liegt nicht in Hollywood, sondern auf deinem Laptop“, sagte er mit einem Lächeln.
Tesla-Rechenleistung trifft Nvidia-Power
Damit die Idee überhaupt funktioniert, braucht es gewaltige Rechenleistung. xAI nutzt für das Projekt die hauseigene Infrastruktur von Tesla Dojo, kombiniert mit Nvidia Hopper-GPUs, um Bild- und Audiodaten in 8K-Qualität zu generieren.
Erste interne Demos sollen bereits existieren: eine kurze Science-Fiction-Sequenz mit digital generierten Figuren, die in Echtzeit Emotionen simulieren. Die Szene wurde komplett durch Grok Imagine erstellt – inklusive Musik und Lichtdesign.
Laut internen Quellen plant Musk, den Film direkt über die Plattform X zu veröffentlichen, um das Potenzial der eigenen Social-Media-Reichweite auszuschöpfen. Damit würde der Unternehmer seine Firmen xAI, Tesla und X in einer Art Ökosystem für KI-Kreativität vereinen.
Zwischen Genie und Größenwahn
Musks Projekte sorgen regelmäßig für Begeisterung und Stirnrunzeln zugleich. Für seine Fans ist er der Leonardo da Vinci des 21. Jahrhunderts – für Kritiker ein gefährlicher Egomane, der technologische Grenzen ohne Rücksicht auf kulturelle oder ethische Folgen verschiebt.
Doch in einem Punkt sind sich viele einig: Wenn jemand den Mut (und das Geld) hat, solch ein Projekt wirklich umzusetzen, dann Elon Musk.
Die Frage ist weniger, ob der Film technisch möglich ist, sondern wie sehr er uns emotional erreicht. Wird ein von Algorithmen erdachter Film dieselbe Wirkung haben wie ein Werk, das aus menschlicher Erfahrung entsteht?
Fazit
Elon Musk will mit xAI nicht nur Technik demonstrieren, sondern ein neues Kapitel der Kulturgeschichte aufschlagen. Sein Projekt ist eine Mischung aus Experiment, Provokation und Fortschrittsglaube.
Vielleicht wird der Film von Grok Imagine tatsächlich „sehenswert“ – vielleicht auch nur ein Beweis dafür, dass Kunst mehr ist als Daten. Doch eines zeigt sich schon jetzt: KI greift nicht nur in Wirtschaft und Wissenschaft ein, sondern in unser kulturelles Selbstverständnis.
Und egal, wie man zu Musk steht – er zwingt uns, über die Zukunft der Kreativität nachzudenken. ein neues Kapitel – eines, das Kreativität, Technologie und Philosophie gleichermaßen herausfordert.
Einsteiger und Lust etwas mit KI zu machen?

